Vom Frühjahr bis zum Spätsommer – wenn Bäume, Gräser, Sträucher, Kräuter oder Getreide blühen – befinden sich die Pollen mit ihren Allergie auslösenden Eiweißstoffen in der Luft.
Pollenflugkalender für Heuschnupfen-Patienten Der „Heuschnupfen”, medizinisch die allergische Rhinokonjunktivitis (AR), ist eine der häufigsten allergischen Erkrankungen. Er beginnt meist in der frühen Kindheit und kann Jahrzehnte lang für die Betroffenen eine Plage sein. Die lästigen Symptome wie ständiges Kribbeln in der Nase, Niesattacken, juckende, tränende Augen, schweres Atmen durch die verstopfte Nase beeinträchtigen die Schlafqualität, die schulische und berufliche Leistungsfähigkeit sowie alle alltäglichen und sportlichen Aktivitäten erheblich. Als Begleiterscheinungen können ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit oder dauernde Kopfschmerzen auftreten.
Was ist eine Allergie?
Unser Immunsystem schützt uns vor körperfremden Stoffen, vor Bakterien, Viren, Pilzen usw. Über komplizierte zelluläre Mechanismen ist es in der Lage, bestimmte Stoffe als gefährlich zu kennzeichnen, sie werden als Allergene (Antigene) bezeichnet. Spezielle Blutzellen bilden nach dem Kontakt mit einem Allergen einen so genannten Antikörper (spezifischen Eiweißkörper), der den Eindringling bindet, unschädlich macht und entsorgt. Nach der ersten Allergen – Antikörper – Reaktion „merkt sich” das Immunsystem den Kontakt und kann bei einem wiederholten Kontakt sofort die spezifischen Antikörper ausschütten. Bei einer Allergie sind diese natürlichen Abläufe gestört. Einerseits kann das Immunsystem nicht immer zwischen gefährlichen und ungefährlichen Stoffen (z.B. Pollen) unterscheiden, zum anderen werden viel zu viele Antikörper gebildet. Eine Sofortreaktion unseres Organismus auf Allergen-Kontakt und Antikörper-Bildung ist die Produktion von Histamin (bestimmter Botenstoff). Werden zu viele Antikörper gebildet, entsteht zu viel Histamin. Die übermäßig gebildeten Antikörper machen außerdem den Körper überempfindlich gegenüber dem Allergen. Bereits kleine Mengen des Allergens können bei Allergikern beim nächsten Kontakt heftige Symptome auslösen, Mengen, die bei Nichtallergikern völlig reizlos bleiben.
Der Heuschnupfen
Der Heuschnupfen ist eine spezifische Überempfindlichkeit von Nase und Augen auf Blütenpollen. Das zu viel produzierte Histamin führt zu Juckreiz, Schleimhauttrockenheit, Rötung und wässriger Sekretion in beiden Organen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Entzündungen mit Schwellungen in der Nase und am Auge sowie zur Schädigung der Nasenschleimhaut. Der „Heuschnupfen” zählt zum so genannten saisonalen allergischen Schnupfen, da der Pollenflug ja jahreszeitabhängig ist, vergleichsweise zu einem ganzjährigen allergischen Schnupfen infolge von Milben, Tierhaaren u.ä. Nicht behandelter Heuschnupfen kann aber zu einer ganzjährigen Überempfindlichkeit der Nase gegen alle möglichen Reizstoffe (Tabakrauch, Geruchsstoffe, Staub) führen. Im schlimmsten Fall erfolgt ein „Etagenwechsel” in Richtung Bronchien und Lunge. Die Betroffenen erkranken an allergischem Asthma.
Wie kann ich Heuschnupfen behandeln?
Das Mittel der ersten Wahl zur akuten Behandlung ist ein Antihistaminikum, um die massive Produktion von Histamin zu unterbinden und damit die lästigen Symptome Kribbeln, Jucken, Niesen usw. einzudämmen. In der Apotheke gibt es rezeptfreie Medikamente mit dem Wirkstoff Cetirizin, z.B. Cetirizin-ratiopharm® als Tabletten und Saft oder Loratadin, z.B. Lorano®/akut, als Tabletten. Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Langzeiteinnahme der Tabletten während der Pollenflugsaison vorteilhafter ist als eine bedarfsorientierte Einnahme bei Symptomen (1Tablette / Tag abends). Für eine lokale Behandlung der Beschwerden in der Nase und am Auge werden Cromoglicinsäure- haltige Tropfen und Nasensprays angeboten, sie sollten viermal täglich eingesetzt werden. Sinnvoll ist die Behandlung der Allergiesymptome mit einem Antihistaminikum in Kombination mit einem antientzündlich und abschwellend wirkenden Glukokortikoid (z.B. als Nasenspray) um die Nasenatmung zu erleichtern, die Schädigung der Nasenschleimhaut möglichst gering zu halten und um einen Etagenwechsel zu verhindern. Dies entscheidet der Arzt. Als rezeptfreie Mittel zur Schleimhautabschwellung gibt es z.B. NasenSpray-ratiopharm® für Schulkinder und Erwachsene (kortisonfrei) oder Rhinivict® nasal 0,05mg (das einzige rezeptfreie kortisonhaltige Spray), beide Sprays nur kurzzeitig anwenden (ca. 7 Tage, länger unter ärztlicher Kontrolle).
Was kann ich vorbeugend gegen Heuschnupfen tun?
- Für Heuschnupfenpatienten ist es nahezu unmöglich, „unbeschadet” durch die Pollensaison zu kommen. Ein Pollenflugkalender informiert sie darüber, wann welche Pollen fliegen. Die Medien informieren über aktuelle Veränderungen des Pollenflugs und Belastungsspitzen:z.B.: Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, Tel.: 0190-1154-80, mit Regionalansagen.
- Eine frühzeitige Einnahme des Antihistaminikums hält die allergische Reaktion in Grenzen, Rhinivict® nasal 0,05mg wird vom Hersteller vorbeugend, wenn eine Pollen-Exposition zu erwarten ist, empfohlen.
- Betroffene sollten ihren Aufenthalt im Freien reduzieren, wenn die auslösenden Pollen unterwegs sind, z.B. Wiesen und Felder meiden. Nach einem Regen ist die Luft sauberer, dann die Wohnung lüften, ansonsten die Fenster bei Pollenflug geschlossen halten.
- Autofahren mit geschlossenen Fenstern, Pollenfilter regelmäßig wechseln,
- das Schlafzimmer pollenfrei halten, indem man dort nicht die Kleidung wechselt, abends mit Duschen und Haare waschen die Pollen entfernt.
- Fachärzte beraten Sie, ob eine Hyposensibilisierung zur Einschränkung der Allergie sinnvoll ist.
Was ist eine Hyposensibilisierung?
Die Hyposensibilisierung ist eine auf den Patienten abgestimmte spezifische Immuntherapie. Regelmäßig und über einen längeren Zeitraum werden wässrige, stark verdünnte Lösungen des den Heuschnupfen auslösenden Allergens (Pollen) unter die Haut gespritzt. Die Konzentration wird schrittweise erhöht, um den Körper zu gewöhnen und eine Antikörperbildung in normalem Ausmaß zu erreichen.