Morbus Bechterew mit einfachen Rückenschmerzen zu vergleichen, wäre für die Betroffenen dieser Erkrankung eine Beleidigung. Was mit Beschwerden in der Lendenwirbelsäule beginnt, kann einen extrem schmerzhaften Verlauf nehmen. Aufhalten kann man die entzündlich-rheumatische Krankheit nicht, nur mit regelmäßiger Bewegung und Medikamenten lindern. Morbus Bechterew betrifft vor allem die Wirbelsäule und führt im schlimmsten Fall zu einer Verknöcherung dieser und dadurch zu einem versteiften, nach vorn gebeugten Körper. Der Verlauf ist schleichend und bei Männern und Frauen unterschiedlich. Bei Frauen verläuft die Versteifung der Wirbelsäule langsamer. Die Krankheit hat ihren Namen von dem russischen Neurologen Wladimir Bechterew, welcher Ende des 19. Jahrhunderts eine Abhandlung dazu verfasste. In Mittel- und Osteuropa verbreitete sich die Krankheitsbezeichnung Morbus Bechterew durch diese Dissertation. Unter Mediziner ist die unheilbare Erkrankung als Spondylitis ankylosans bekannt.
Symptome dieser Rückenschmerzen
Morbus Bechterew beginnt mit Rückenschmerzen in der Lendenwirbelsäule, die nachts und frühmorgens auftreten und in Gesäß und Oberschenkel ausstrahlen. Die Betroffenen können aufgrund der anhaltenden Schmerzen nachts kein Auge schließen und sind durch die Entzündungen im Körper müde und verbraucht. Denn typischerweise verstärken sich die Schmerzen im Ruhezustand und sind bei Bewegung erträglicher. Weitere Symptome sind gelegentliche Fersenschmerzen, Husten, ein rotes Auge oder eine Regenbogenhautentzündung.
Morgendliche Steifheit, die länger als 30 Minuten anhält oder Schmerzen in Knie und Hüfte können zudem charakteristisch sein. Hinsichtlich der Tatsache, dass sehr viele Teile des Körpers betroffen sind, spricht man auch von einer Systemerkrankung. Jedoch leiden nur 15 Prozent der Menschen, die an entzündlichen Rückenschmerzen leiden, auch wirklich an Morbus Bechterew. Bei 80 Prozent der Betroffenen treten die ersten Symptome vor dem 30. Lebensjahr auf, nur etwa fünf Prozent erkranken nach dem 45. Geburtstag. Eine Fehlsteuerung des Immunsystems ist verantwortlich für Morbus Bechterew. Körpereigene Zellen greifen sich gegenseitig an, Folge sind zahlreiche Entzündungsherde im Körper. Genaue Ursachen sind bislang ungeklärt.
Diagnose von Morbus Bechterew
Die Krankheitsverläufe sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich und aufgrund des schleichenden Verlaufs sowie der unspezifischen Symptome im Anfangsstadium, wird Morbus Bechterew selten frühzeitig diagnostiziert. Wissenschaftler wissen um dieses Problem bescheid und haben einen Kriterienkatalog – der „Assessment in Ankylosing Spondylitis International Working Group“ (ASAS) – zusammengestellt. Der Arzt misst demnach die Atembreite des Patienten, die Beugefähigkeit der Lendenwirbelsäule und den Abstand des Kopfes zur Wand, wenn der Patient gerade steht.
Des Weiteren beantwortet der Betroffene Fragen zu Müdigkeit, Morgensteifigkeit und Beeinträchtigung im Alltag. Nicht zu vergessen ist die Anzahl der geschwollenen Gelenke und das Ausmaß der Sehnenansatzentzündungen, um eine frühzeitige Diagnose zu stellen. Zusätzlich kann eine Blutabnahme Aufschluss geben, denn bei 95 Prozent der Morbus-Bechterew Patienten ist ein typisches genetisches Merkmal (HLA-B27) im Blut nachweisbar. Deswegen handelt es sich nicht gleich um eine Erbkrankheit, denn nur bei etwa ein bis fünf Prozent der HLA-B27-Träger tritt die Erkrankung wirklich aus.
Viele Kriterien sind jedoch erst im fortgeschrittenen Stadium nachweisbar und auch Röntgenaufnahmen liefern keine eindeutigen Ergebnisse. Zahlreiche Patienten suchen den Arzt erst spät auf, da sie zuvor nur an leichten Beschwerden zu leiden hatten. Somit wird die Diagnose häufig erst fünf bis zehn Jahre nach Ausbruch der Krankheit gestellt. Laut Schätzungen der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew liegt die Dunkelziffer bei 350 000 Betroffenen in Deutschland.
Therapie gegen Morbus Bechterew
In den meisten Fällen von Morbus Bechterew versteift die Wirbelsäule nicht vollständig, sondern die Beweglichkeit ist nur eingeschränkt. Neun von zehn Patienten sind auch nach 40 Jahren Krankheit kein Invalidenfall und können ohne fremde Hilfe den Alltag bewältigen. Regelmäßige Krankengymnastik sowie schmerz- und entzündungshemmende Medikamente lindern die Beschwerden und verhindern Fehlhaltungen aufgrund von Schmerzen. Dabei werden oft cortisonfreie und nicht steroidale Antirheumatika eingesetzt. Ist das Hüftgelenk ebenfalls betroffen, kann ein Hüftgelenkersatz nötig werden.